Interview mit dem Coach der Gastgeberinnen Dirk Lafarre
30.05.2014 - 20:07 (Malte)

Interview mit dem Coach der Gastgeberinnen Dirk Lafarre



Ein weiteres Interview gibt es im Programmheft zu lesen. Dirk Lafarre stand bei der DM als Coach der Gastgeberinnen an der Seitenlinie und hat uns im Vorfeld einige Fragen beantwortet.
Dirk Lafarre hat als Trainer und Co-Trainer in der ersten und zweiten Bundesliga in Creglingen, Ulm und Biberach gewirkt. In der TG engagiert er sich zusammen mit seiner Frau Carmen vor allem im Jugendbereich. Die junge Biberacher Landesligamannschaft hat er in der abgelaufenen Saison zum Aufstieg in die Oberliga geführt und mit der U20-Auswahl bei der süddeutschen Meisterschaft hinter Bad Krozingen und Stuttgart den dritten Platz belegt. Bei der DM ist er als Coach des Gastgeberteams dabei.

Dirk, 2012 war für Euch als U18-Team sportlich noch bei der Württembergischen Schluss. Als Ausrichter habt ihr bei der Deutschen dann am Ende überraschend einen tollen zehnten Platz belegt. Wie sieht Euer Ziel in diesem Jahr aus?

Dirk: „Auch wenn das mit Sicherheit schwierig wird, wollen wir uns im Vergleich zur U18-DM 2012 steigern. Das bedeutet, wir peilen eine Platzierung im einstelligen Bereich an. Damit wir das schaffen können, ist das Etappenziel für die Gruppenphase auch schon klar. Dort müssten wir mindestens Dritter werden. Als Ausrichter sind wir mit Sicherheit in einer besonderen Situation und zwischen den Regional- und Vizemeistern sicher ein Außenseiter. Trotzdem wollen wir mit Engagement und Ehrgeiz unseren besten Volleyball zeigen und über Spaß am Spiel in den Wettbewerb kommen. Aber weil das auch anders ausgehen kann und wir das wissen, ist es kein Beinbruch, wenn wir am Ende doch weiter hinten landen, solange wir wissen, dass wir alles gegeben haben.“

Wie habt ihr Euch nach der anstrengenden Saison auf die Deutsche Meisterschaft in eigener Halle vorbereitet?

Dirk: „Nach der Saison haben wir einfach weiter trainiert. Der Fokus lag dabei schon auf der DM ohne die süddeutsche Meisterschaft zu vernachlässigen. So haben wir wieder mit athletischer Vorbereitung angefangen und sind dann zum Balltraining übergegangen.“

Kleiner Favoritencheck: Wer wird aus Deiner Sicht ganz oben im Kampf um die deutsche Meisterschaft mitspielen?

Dirk: „Ich gehe davon aus, dass es die gleichen Teams sein werden, die auch vor zwei Jahren bei der U18-DM in Biberach oben standen. Da ist natürlich Dresden als Titelverteidiger. Schwerin muss man auf der Rechnung haben, die zwar hier 2012 ,nur’ Siebter wurden, im vergangenen Jahr aber die U18-DM in Berlin gewonnen haben. Zu den heißen Kandidaten auf den Titel gehören für mich auch das Volley Team Berlin mit etlichen Spielerinnen vom Olympiastützpunkt sowie der SV Lohhof mit traditionell starker Jugend. Ich gehe davon aus, dass es im oberen Bereich eng umkämpfte Spiele geben wird, denn die besten Spielerinnen des Jahrgangs sind auf etliche Teams verteilt.“

Und wie sieht es mit den „Underdogs“ aus? Hast Du Teams im Auge, denen eine echte Überraschung zuzutrauen ist und die vielleicht die „Großen“ richtig ins Schwitzen bringen könnten?

Dirk: „Ja, da gibt es schon einige Mannschaften, die echte Stolpersteine werden können. Dazu zählt für mich etwa das Team aus Bad Laer, das 2012 für manchen überraschend im Finale der U18-DM stand. Auch die Mädels aus Bad Krozingen sind nicht zu unterschätzen, das haben sie ebenfalls 2012 unter Beweis gestellt. Am Ende belegte das bis dahin kaum bekannte Team Platz fünf. Wenn es läuft, dann läuft es. Das gilt auch für andere Mannschaften. Lüdinghausen hat Münster aus dem Rennen geworfen, Ostbevern dann im Finale gegen Lüdinghausen gewonnen. Das spricht auf jeden Fall für die Qualität beider Teams.“

Sowohl die weibliche, als auch die männliche Jugendnationalmannschaft sind in der Weltrangliste kräftig abgerutscht. Die Forderung an die Vereine „mehr Talente zu finden“ wurde laut. Wie beurteilst Du das aus Sicht eines Vereinstrainers mit Schwerpunkt in der Jugendausbildung?

Dirk: „Mit diesem Thema könnte man Seiten füllen. Deswegen möchte ich das hier nur kurz anreißen. Ich finde die Diskussion, die Bundestrainer Jens Tietböhl losgetreten hat wichtig und richtig. Allerdings muss man schon aufpassen, wem man solche Punkte wie eine „fehlende Qualität der Ausbildung“ an den Kopf wirft. Es gibt in Deutschland zum Glück viele Trainer in den Vereinen und Verbänden, die meines Erachtens nach sehr gute Arbeit leisten. Da wird zu Sichtungen eingeladen oder die Landestrainer reisen über die Dörfer und schauen, was in den Trainingshallen und Schulen in Sachen Volleyball geboten wird. Aber da gibt es natürlich Unterschiede in den Landesverbänden und sicher auch mancherorts Nachholbedarf. Nur dort anzusetzen greift mir allerdings zu kurz.“

Wo siehst Du noch Handlungsbedarf?

Dirk: „Woran es mir derzeit fehlt, ist eine funktionierende Kooperation. Ein ganzheitliches Konzept und ein echtes Hand in Hand von DVV, DVJ, DVL und den Landesverbänden. Mir scheint dort wird zu wenig kommuniziert und gemeinsam angepackt. Es gibt zwar einige gute Aspekte, wie etwa das Bundesstützpunktsystem, aber in der Breite greift das nicht, sondern bündelt nur die Spitze. Richtig ist, dass wir mehr Talente von unten her finden und an den Volleyball bringen müssen. Dabei konkurrieren wir um den ,Genpool’ mit anderen Sportarten wie Fußball, Basketball oder Handball. Volleyball attraktiv machen können wir nur, wenn Spitzen- und Landesverbände zusammen mit den Vereinen an einem Strang ziehen. Masterpläne für eine professionellere Liga können wir uns da machen so viele wir wollen. Was zählt, ist die jungen Talente dann auch in den nationalen Spitzenbereich einzubinden, nicht nur am Olympiastützpunkt. Wenn es in der Bundesliga attraktiver ist, ausländische Profis zu holen und den eigenen Nachwuchs hinten an zu stellen, sollten wir darüber nachdenken.“

Dirk, hast Du noch etwas, das Du zum Schluss loswerden möchtest?

Dirk: „Na klar. Für viele Mädels wird es die letzte nationale Meisterschaft sein, wenn sie nicht noch im Beachbereich aktiv sind. Ich freue mich, dass wir das in Biberach ausrichten dürfen und wünsche allen tolle Spiele und eine super Jugendmeisterschaft zum Abschluss.“



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