Interview mit Nationalspielerin Corina Ssuschke-Voigt
30.05.2014 - 19:33 (Malte)

Interview mit Nationalspielerin Corina Ssuschke-Voigt



Und auch das Interview mit Nationalspielerin Corina Ssuschke-Voigt, das im Programmheft enthalten ist, wollen wir all denen die keines in die Hand bekommen haben nicht vorenthalten.
Bei der U20-Meisterschaft in Biberach treten die besten Nachwuchsvolleyballerinnen aus ganz Deutschland an. Für manche kann die DM sogar zum Sprungbrett für einen künftigen Auftritt in der Ersten Bundesliga oder der Nationalmannschaft werden. Eine, die selber durch eine Jugendmeisterschaft auf den Weg zum Volleyballprofi und zur Nationalspielerin gekommen ist, ist Corina Ssuschke-Voigt. Die im Trikot des Dresdner SC frisch gebackene Deutsche Meisterin 2014 feierte diesen Titel bereits 2007 mit dem DSC. In ihrer Karriere holte die 31-Jährige 2010 und 2011 die tschechische Meisterschaft mit Prostějov und wurde mit Trefl Sopot 2012 auf Anhieb polnische Meisterin. Seit 2006 steht sie mit 248 Einsätzen fest im Aufgebot der deutschen A-Nationalmannschaft. 2011 und 2013 wurde sie Vize-Europameisterin und gewann mit Team Deutschland 2013 die Europaliga.

Corina, kannst Du Dich noch an Deine erste deutsche Jugendmeisterschaft erinnern. Woran denkst Du dabei am liebsten zurück?

Corina: (lacht) „Ja das weiß ich ausnahmsweise noch. Meine erste deutsche Meisterschaft habe ich auf jeden Fall noch mit dem Chemnitzer PSV unter meiner Jugendtrainerin Gerda Lermer gespielt. Das müsste eine U16 gewesen sein, denn danach habe ich zum VCO nach Dresden, beziehungsweise Pirna, gewechselt. Dort habe ich dann etliche deutsche Jugendmeisterschaften gespielt, ehrlich, welche und wieviele kann ich nicht mehr sagen. Aber eines ist immer gleich gewesen. Man ist total aufgeregt, was ja normal ist in dem Alter. Dazu kommt, dass man mit Fehlern sehr viel schlechter umgeht. Vor allem ich als sehr temperamentvolle Spielerin (lacht) habe mich besonders aufgeregt, speziell wenn technisch etwas nicht so geklappt hat.“

Hast Du bei den ganzen Jugendmeisterschaften denn etwas ganz besonderes in Erinnerung behalten?

Corina: „Die gemeinsame Zeit mit der eigenen Mannschaft vor allem abends in den Jugendherbergen habe ich sehr genossen. Mit Chemnitz haben wir sogar mal in der Umkleidekabine einer Sporthalle übernachtet, das war richtig spannend. Aber das war glaub’ keine Meisterschaft. Ach ja, da ist mir noch eine Szene im Kopf geblieben, leider weiß ich nicht mehr wann das war. In einem Spiel gegen den VCO Berlin hatte ich in der Auszeit mitbekommen, wie Berlins Trainer, Jens Tietböhl, zu seiner Mannschaft über mich sagte „die kann nur diagonal schlagen“. Tja, dann habe ich meine Taktik umgestellt und ihm gezeigt, dass ich auch die Linie runter schlagen kann. Damit war ich letztlich erfolgreich. In den Spielen gegen die Jugendnationalmannschaft des VCO Berlin mit den besten Spielerinnen Deutschlands wollten wir natürlich immer ganz besonders zeigen, was wir können.“

Die Vereine arbeiten im Prinzip von der ersten Runde der Verbands- oder Landesebene an die ganze Saison über auf das Ziel deutsche Meisterschaft hin. Wie fühlt man sich als junge Spielerin vor dem Wettkampf, wenn man die Qualifikation gepackt hat?

Corina: „Zu meiner Zeit in Chemnitz war es immer das Highlight, sich für eine deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Später dann in Dresden war es quasi wie eine Pflicht. Es war einfach nichts Besonderes mehr dorthin zu kommen. Ich habe es eher als einen gewissen Druck empfunden, es zur deutschen Meisterschaft zu schaffen, weil man eben als Stützpunktmannschaft ganz oben auf der Liste stand.“

In der zweiten Hälfte der abgelaufenen Saison bist Du, für viele überraschend, von Deinem vorigen Verein, dem französischen Meister RC Cannes, nach Dresden zurückgekehrt. Wie kam es dazu?

Corina: „Das war eine glückliche Fügung für beide Seiten, den Dresdner Sportclub und für mich. Eigentlich wollte ich erst nach der EM entscheiden, wo ich hin gehe. Doch dann war in Cannes eine Spielerin verletzungsbedingt ausgefallen und ich bekam die Chance, dorthin zu spielen, wo ich immer schon mal hin wollte. Zum einen kannte ich dort einige Spielerinnen und der Coach, Yan Fang, ist ein echter Erfolgstrainer. Hinzu kommt, dass Cannes auch in der Champions League antritt und zudem noch schön warm direkt am Meer liegt. Ich habe dort wie geplant meinen Vertrag über drei Monate erfüllt. Dann rief Jörg Dittrich, Vorsitzender des DSC an. Und weil in Dresden das ganze Paket mit professionellem Umfeld, Familie und Freunden für mich stimmte, habe ich kurzfristig zugesagt.“

In den Reihen der Nationalmannschaft hast Du seit 2006 einen Aufschwung miterlebt. Bei der WM 2006 war es am Ende Platz elf, bei der EM 2007 Platz sechs. 2011 und 2013 warst Du mit Team Deutschland jeweils Vize-Europameisterin, 2013 auch Gewinner der Europaliga. Was hat sich in der Zeit im Nationalteam getan?

Corina: „In den vergangenen Jahren haben wir als Mannschaft immer besser zusammengefunden. Im Kern sind wir seit 2006 die gleichen Spielerinnen. Viele Dinge entwickeln sich erst mit der Zeit, man muss dann nicht mehr so viel reden, sondern versteht sich wirklich blind auf dem Feld. Dazu ist Giovanni Guidetti ein fantastischer Trainer. Er hat aus jeder Spielerin das Beste herausgeholt und uns zu einer echten Mannschaft geformt, wirklich eine tolle Leistung von ihm.“

Mit Jennifer Geerties, Anna Pogany, Lena Stigrot (Vilsbiburg), Luisa Lippmann, Wiebke Silge (Münster), Carina Aulenbrock (Schwerin) und Lisa Izquierdo (Dresden) hat Bundestrainer Giovanni Guidetti gleich sieben Spielerinnen für den erweiterten Kader in diesem Jahr nominiert, die selber noch vor einem Jahr in der Jugend spielten. Wie bewertest Du diesen Schritt?

Corina: „Es wird höchste Zeit dass frische Kräfte dazu kommen. Giovanni hat angekündigt, dass er vor allem bei den Nationenturnieren und in der Europaliga viel mit den jungen Spielerinnen spielen und arbeiten will. Das begrüße ich und freue mich darauf, die ‚Jungchens’ gemeinsam ins Team zu integrieren. Das hat schon in der vergangenen Zeit super geklappt. Wir reden bei Mannschaftssitzungen viel und ganz offen miteinander und arbeiten auch mit einer Mentaltrainerin zusammen. Ich finde es wichtig, schnell zu merken, wie jemand tickt. Ich hoffe, dass die Mädels an den tollen Stand bei der EM anknüpfen können und auch die ganz Neuen gut rein finden. Wir (lacht) ‚erfahrenen’ Spielerinnen brauchen ja doch mal eine längere Pause oder fallen verletzungsbedingt aus.“

Corina, möchtest Du selber noch etwas loswerden?

Corina: „Ja, auf die Frage hatte ich gehofft. Ich möchte gern ganz herzlich meine ehemalige Trainerin Barbara Makowska grüßen, die mich gemeinsam mit Arndt Ludwig von 2002 bis 2004 beim Dresdner SC trainiert hat und die inzwischen am Bundesstützpunkt in Dresden aktiv ist.“



>>zurück